Der Tinker

Auf dem Gertrudenhof leben mittlerweile zwei Tinker: Die hübsche Stute Honey und der gutmütige Wallach Sir Henry.

Henry kam im August 2025, 14-jährig aus einer Reitschule aus der Nähe Dortmund in der Gertrudenhof Gnadenhof Streichelzoo. Nach 10 Jahren als braves Schulpferd konnten sie Henry leider nicht mehr behalten, da er eine Asthma Erkrankung entwickelt hatte, wodurch er zu oft im Unterricht ausfiel und auch mit der Haltung im Stall nicht mehr klar kam. Nun gewöhnt er sich in seine neue Offenstall Herde ein und freut sich über eine asthmafreundliche Haltung auf jede Menge entspannter Ausflüge mit seinen Pflegebeteiligungen.  Henry fällt neben seiner stolzen Größe von 1,60m besonders wegen seiner Sanftheit und Gutmütigkeit auf. Er ist eigentlich immer entspannt und gelassen – einfach ein richtig liebes Pferd unser Henry.

Honey zog im Jahr 2020, damals 10-jährig bei uns ein. Als wir Honeys „Hilferuf-Anzeige“ im Internet fanden, waren wir sofort von ihr verzaubert. Und so ging es auch Honeys Vorbesitzern aus Lüneburg, von der wir die wahnsinnig hübsche und unglaublich anhängliche Stute übernommen haben. Doch leider war es mit Honey nicht so einfach, denn sie scheint nicht nur schöne Jahre gehabt zu haben. So stellte ihre neue Familie fest, dass Honey zwar ausgesprochen freundlich und verschmust ist, sondern auch noch ein paar richtige Probleme mitbrachte, mit denen die Familie schlicht nicht richtig umzugehen wusste. Ein Anfassen der Beine, Berührungen am Popo oder Anheben der Hufe quittierte Honey mit austreten. Außerdem fand sie alles was hinter ihr passierte grundsätzlich furchtbar gruselig. Nach viel Training merkt man von Honey Marotten heute nichts mehr. Denkt ein Pferdekenner an einen Tinker, hat er meist ein haariges, geschecktes Pony im Sinn, mit buschigen Füßen (Kötenbehang) und langer Mähne. Honey dagegen ist fast ganz weiß – wobei sie kein Schimmel ist. Als „Red Blagon“ bezeichnet man ihre rotbraune Grundfarbe, die durch weiße Abzeichen fast komplett überdeckt wird.

In den 90er ist der Tinker bei uns in Europa zum Modepferd geworden, wohingegen diese Pferde früher kein besonders gute Ansehen hatten, da sie ursprünglich die Zug- und Arbeitspferde der irischen Traveller waren – einer irischen Bevölkerungsgruppe ohne festen Wohnsitz. Übrig geblieben aus dieser Zeit ist die Rassebezeichnung, denn das fahrende Volk wurde gerne abschätzig Tinker genannt, was übersetzt Kesselflicker oder Zigeuner heißt. Die noch heute stark ausgeprägte Abneigung und Diskriminierung dem fahrenden Volk gegenüber übertrug sich auch auf dessen Pferde. In Irland, dem Ursprungsland der „Zigeunerpferde“, wie sie noch manchmal genannt werden, hatten sich die Treveller nicht um die Rassezugehörigkeit seiner Pferde gekümmert und nach Belieben verschiedene Rassen eingekreuzt: vom Pony bis zum Shire Horse. Daher gibt es Tinker heute in verschiedenen Größen und unterschiedlichen Erscheinungen mit Merkmalen sowohl vom Pony, Warmblut als auch vom Kaltblut. Auch widerstrebte es dem fahrenden Volk ihre Pferde irgendwo eintragen zu lassen, weshalb über die Zuchtgeschichte der Tinker heute ebenso wenig bekannt ist, wie über ihren genauen Ursprung. Sie sind nie als eigenständige Rasse eingetragen worden. Erst in den 90er Jahren wurden schließlich Rassestandards festgelegt und die „Irish Cob Society Ireland Ltd.“ gegründet. Heute gibt es weltweit viele Zuchtverbände für das Zigeunerpferd mit unterschiedlichen Rassenstandards. In Deutschland ist der Tinker z. B. seit 2005 eine von der FN anerkannte Rasse, bei der auch Irish Cobs eintragungsfähig sind und in den USA nennt man die hübschen Tinker „Gypsy Vanner“.

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