Das Tinker Pony

Ach, Honey <3

Als wir Honeys Anzeige im Internet fanden, waren wir sofort von ihr verzaubert.
Und so ging es auch Honeys Vorbesitzern aus Lüneburg, von der wir die wahnsinnig hübsche und unglaublich anhängliche Stute übernommen haben.
Doch leider war es mit Honey nicht so einfach, denn sie scheint nicht nur schöne Jahre gehabt zu haben. So stellte ihre neue Familie fest, dass Honey zwar ausgesprochen freundlich und verschmust ist, sie aber nicht nur einiges in ihren 10 Lebensjahren noch nicht gelernt zu haben schien, sondern auch noch ein paar richtige Probleme mitbrachte, mit denen die Familie schlicht nicht richtig umzugehen wusste. Ein Anfassen der Beine, Berührungen am Popo oder Anheben der Hufe quittierte Honey mit austreten. Außerdem fand sie alles was hinter ihr passierte grundsätzlich furchtbar gruselig.

Die Familie beschloss daher für Honey einen guten Platz zu suchen, wo mit ihr trainiert werden konnte und so kam es, dass sie im Herbst 2020 bei uns im Gnadenhof Streichelzoo eingezogen ist. Bis heute hat Honey schon einige Fortschritte gemacht, lässt sich z. B. nun überall anfassen, gibt die Hufe - wenn auch noch etwas zaghaft und lernt sogar Schritt für Schritt ihre neue Umgebung auf Spaziergängen mit ihren Bezugspersonen kennen. Wir sind gespannt wie Honey sich weiterentwickeln wird und hoffen, dass sie auch die letzten Unsicherheiten ganz bald ablegen wird.

Denkt ein Pferdekenner an einen Tinker, hat er meist ein haariges, geschecktes Pony im Sinn, mit buschigen Füßen (Kötenbehang) und langer Mähne. Honey dagegen ist fast ganz weiß - wobei sie kein Schimmel ist. Als "Red Blagon" bezeichnet man ihre rotbraune Grundfarbe, die durch weiße Abzeichen fast komplett überdeckt wird.

In den 90er ist der Tinker bei uns in Europa zum Modepferd geworden, wohingegen diese Pferde früher kein besonders gute Ansehen hatten, da sie ursprünglich die Zug- und Arbeitspferde der irischen Traveller waren - einer irischen Bevölkerungsgruppe ohne festen Wohnsitz. Übrig geblieben aus dieser Zeit ist die Rassebezeichnung, denn das fahrende Volk wurde gerne abschätzig Tinker genannt, was übersetzt Kesselflicker oder Zigeuner heißt. Die noch heute stark ausgeprägte Abneigung und Diskriminierung dem fahrenden Volk gegenüber übertrug sich auch auf dessen Pferde.

In Irland, dem Ursprungsland der „Zigeunerpferde“, wie sie noch manchmal genannt werden, hatten sich die Treveller nicht um die Rassezugehörigkeit seiner Pferde gekümmert und nach Belieben verschiedene Rassen eingekreuzt: vom Pony bis zum Shire Horse. Daher gibt es Tinker heute in verschiedenen Größen und unterschiedlichen Erscheinungen mit Merkmalen sowohl vom Pony, Warmblut als auch vom Kaltblut.

Auch widerstrebte es dem fahrenden Volk ihre Pferde irgendwo eintragen zu lassen, weshalb über die Zuchtgeschichte der Tinker heute ebenso wenig bekannt ist, wie über ihren genauen Ursprung. Sie sind nie als eigenständige Rasse eingetragen worden. Erst in den 90er Jahren wurden schließlich Rassestandards festgelegt und die „Irish Cob Society Ireland Ltd.“ gegründet. Heute gibt es weltweit viele Zuchtverbände für das Zigeunerpferd mit unterschiedlichen Rassenstandards. In Deutschland ist der Tinker z. B. seit 2005 eine von der FN anerkannte Rasse, bei der auch Irish Cobs eintragungsfähig sind und in den USA nennt man die hübschen Tinker „Gypsy Vanner“.